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Gesundheitsversorgung der Zukunft - Kommunale Gesundheitskonferenz des Ostalbkreises

Die diesjährige Öffentliche Kommunale Gesundheitskonferenz des Ostalbkreises im Berufsschulzentrum in Aalen informierte am 27. Oktober 2022 ca. 100 Bürgerinnen und Bürger über die Probleme und Herausforderungen, die sich der Ostalbkreis mit seinen Gesundheitsakteuren und der Bevölkerung im Bereich der haus- und fachärztlichen Versorgung aktuell und in den kommenden Jahren stellen muss und darüber was die Bürgerinnen und Bürger im Ostalbkreis selbst tun können, um die Situation zu verbessern. Auch wurde darüber berichtet, mit welchen Maßnahmen und Modellen im Ostalbkreis versucht wird, die Versorgung sowohl im städtischen als auch ländlichen Raum weiterhin wohnortnah und auf qualitativ hochwertigem Niveau zu gewährleisten.

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen. Neben einer immer älter werdenden Bevölkerung und der damit verbundenen Zunahme chronischer Erkrankungen, herrscht gleichzeitig ein Mangel an medizinischem und pflegerischem Fachpersonal, wodurch die Wege für Patientinnen und Patienten weiter und die Wartezeiten für Arzttermine immer länger werden. Bereits bei der Begrüßung wies Landrat Dr. Joachim Bläse darauf hin, dass vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen die Sicherstellung und Aufrechterhaltung einer flächendeckenden und möglichst wohnortnahen medizinischen Versorgung auf hohem qualitativem Niveau auch hier im Ostalbkreis immer wichtiger und herausfordernder werden. Er betonte, dass sich daher die Ärzteschaften Aalen und Schwäbisch Gmünd, die Kliniken Ostalb, die Kommunen und das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Ulm gemeinsam auf den Weg gemacht haben, die Gesundheitsversorgung im Kreis zu sichern und weiterzuentwickeln.

Im ersten Vortrag gingen Herr Dr. Alexander Stütz, Facharzt für Allgemeinmedizin und Notfallmedizin in Schwäbisch Gmünd, und Herr Dr. Bertold Schuler, Facharzt für Innere Medizin in Schwäbisch Gmünd, auf die aktuellen Trends in der ambulanten Versorgung, wie die Überalterung der Hausärztinnen und -ärzte, die veränderten Ansprüche und Präferenzen der jungen Medizinerinnen und Mediziner sowie der Wunsch nach Teilzeittätigkeit ein. Dabei wurde deutlich, dass sich die Anzahl der Ärztinnen und Ärzten in Baden-Württemberg in den letzten Jahren erhöht hat, jedoch sich der Versorgungsumfang immer mehr reduziert. Die Nachbesetzung von hausärztlichen (Einzel-)Praxen wird dadurch immer schwieriger. Aktuell sind 30,5 Hausarztstellen im Ostalbkreis unbesetzt. Herr Dr. Schuler verwies darauf, dass es vor 30 Jahren noch ganz anders aussah. Er sprach von einer „Arztschwemme“ in den 1990er-Jahren, zu welcher Zeit es Ärztinnen und Ärzte schwierig hatten, überhaupt eine Stelle zu finden. Lösungen werden von den beiden Referenten vor allem in größeren Zusammenschlüssen oder innovativen Versorgungsmodellen, wie der hausärztlichen Genossenschaft MEDWALD e.G. gesehen.

Herr Dr. Jürgen Wacker, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Schwäbisch Gmünd und Herr Dr. Walter Hauf, Facharzt für Orthopädie in Ellwangen, erläuterten, dass es auch im Bereich der fachärztlichen Versorgung Schwierigkeiten in der Nachfolgesuche gibt. „Wir überaltern und es gibt zu viele Einzelpraxen“ fasst Herr Dr. Wacker zusammen. Herr Dr. Wacker stellt die Vorteile der ambulanten im Vergleich zur stationären Versorgung vor. Diese biete laut ihm bspw. eine persönliche, individuelle, kostengünstige und kontinuierliche Betreuung der Patientinnen und Patienten, was Kliniken nicht leisten können. Als eine Lösung im fachärztlichen Bereich sehen die Referenten das Gesundheitsnetz Zukunft e.V., ein Zusammenschluss von 24 Ärztinnen und Ärzten für Orthopädie und Unfallchirurgie im Ostalbkreis. Ziel dieses Netzwerks ist, die Verbesserung und der Erhalt der orthopädisch-unfallchirurgischen Versorgung im Ostalbkreis sowie die Etablierung einer fachspezifischen orthopädischen Vorsorgeuntersuchung im Alter von 10-14 Jahren. Herr Dr. Hauf betont: „Solch ein Netzwerk schafft Vertrauen, stärkt die Zusammenarbeit und ermöglicht Strukturen, mit denen die Versorgung im Ostalbkreis verbessert werden kann.“

Frau Diana Kiemel und Frau Leonie Schönsee, Mitarbeiterinnen des Landratsamtes Ostalbkreis, präsentierten in ihrem Vortrag, welche Möglichkeiten und Modelle zur Sicherstellung und Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung im Ostalbkreis gemeinsam mit den verschiedenen (Gesundheits-) Akteuren bereits entwickelt und umgesetzt wurden. Dazu zählt neben der hausärztlichen Genossenschaft MEDWALD e.G. auch das Gesundheitsnetz Schwäbischer Wald, ein dezentraler Zusammenschluss verschiedener Gesundheitsberufe und -institutionen. Auch stellten die Referentinnen neue Berufsfelder im Bereich der medizinischen Versorgung vor, mit denen die Bürgerinnen und Bürger in Zukunft möglicherweise Kontakt haben werden. Vor allem im Gesundheitsnetz Schwäbischer Wald sollen diese zum Einsatz kommen. Im November 2022 werden im Gesundheitsnetz zwei „Patientenlotsinnen“ tätig. 2023 soll eine Community Health Nurse (Gemeindeschwester) das Gesundheitsnetz verstärken. Und seit dem Wintersemester 2022/2023 kann an der Hochschule Aalen das Studium zum „Physician Assistant“ (Arztassistentin/Arztassistent) absolviert werden. Alle Modelle und neue Berufsfelder haben das Ziel, die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu verbessern sowie Ärztinnen und Ärzte im Schwäbischen Wald und im Ostalbkreis zu entlasten.

Herrn Dr. Karsten Gnauert, Chefarzt der Frauenklinik am Ostalb-Klinikum in Aalen, erläuterte in seinem Vortrag die Relevanz von Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von vielen Krankheiten und schilderte anschaulich, dass eine frühere Diagnose mit einer einfacheren Heilung einhergehe. Gleich zu Beginn seines Vortrags machte Herr Dr. Gnauert deutlich, dass uns Vorsorgeuntersuchungen im Alltag nicht ganz unbekannt sind und verglich diese mit dem Waschen unserer Autos oder der alle zwei Jahre durchzuführenden Hauptuntersuchung (TÜV). Dies wird von den Bürgerinnen und Bürger ganz selbstverständlich durchgeführt. Die Teilnahmequoten der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland an der Vielfalt an Vorsorgeuntersuchungen im Bereich Gesundheit schneidet dagegen eher schlechter und im internationalen Vergleich niedriger ab. Dabei nehmen Frauen häufiger als Männer Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch. „Insgesamt haben wir in Deutschland hier noch ganz schön Luft nach oben“ fasst Herr Dr. Gnauert zusammen.

Abschließend referierte Herr Prof. Dr. Dieter Ahrens, Professor für Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement im Studienbereich Gesundheitsmanagement an der Hochschule Aalen, über das Konzept der Gesundheitskompetenz, vor allem über die Kompetenzen, Gesundheitsinformationen zu finden, zu bewerten und diese anzuwenden. Dabei ging er auf die Über-, Unter- und Fehlinformation der Bevölkerung ein, welche unter anderem dadurch bedingt ist, dass die Qualität der Gesundheitsinformationen in verschiedenen Informationenportalen oft mäßig ist. Um die Gesundheitskompetenz in Deutschland zu stärken, ist es laut Herrn Prof. Ahrens wichtig, gute Gesundheitsinformationen bereitzustellen und die Kompetenzen der Bevölkerungen dafür zu schaffen bzw. zu stärken. Dies kann beispielsweise durch den Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz unterstützt werden. Abschließend gibt Herr Prof. Ahrens einen Ausblick auf das Thema "Gesundheitskiosk" und stellt verschiedene Portale im Internet wie gesund.bund.de vor, die Gesundheitsinformationen qualitativ hochwertig, verständlich und vertrauensvoll bereitstellen.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit den Referenten kamen aus dem Publikum zahlreiche Fragen, die einen weiten Bogen über den besten Zeitpunkt zur Stärkung der Gesundheitskompetenz, die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen in der medizinischen Versorgung, die Frage „Wann und wie bin ich ein guter Patient?“ und die Vor- und Nachteile von Vorsorgeuntersuchungen spannten.

Die nächste Kommunale Gesundheitskonferenz im Ostalbkreis findet am 11. Oktober 2023 statt.

Veröffentlichung: 28.10.2022