Gleich gesund? Gleich krank? - Gesundheitskonferenz im Ostalbkreis thematisiert geschlechtsspezifische Unterschiede bei Gesundheit und Krankheit
Die diesjährige Kommunale Gesundheitskonferenz des Ostalbkreises fand am 7. Oktober 2026 im Landratsamt Aalen statt. Rund 90 Teilnehmende diskutierten über das Thema "Gleich gesund? Gleich krank? Gesundheit geschlechtersensibel denken". In Fachvorträgen präsentierten Expertinnen und Experten anhand von konkreten Praxisbeispielen und wissenschaftlichen Daten aktuelle Erkenntnisse zu Unterschieden zwischen Frauen und Männern bei Gesundheit und Krankheit. Auch gingen diese auf den daraus resultierenden Handlungsbedarf für die Bevölkerung, Politik, das Gesundheitssystem und die Medizin ein. Landrat Dr. Joachim Bläse eröffnete die Veranstaltung und hob die große Bedeutung des Themas hervor, dem künftig noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden müsste.

Prof. Dr. med. Peter Seizer, Chefarzt der Inneren Medizin II (Kardiologie, Angiologie und Rhythmologie) am Ostalb-Klinikum Aalen, informierte in seinem Vortrag über die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Er erläuterte, warum das Thema relevant ist und bleibt, und zeigte eindrücklich anhand von ausgewählten Praxisbeispielen aus dem Klinikalltag, wie unterschiedlich die Symptome zwischen Frauen und Männern bei diesen Krankheitsbildern sein können. Darüber hinaus ging er auf Einflüsse im Lebensverlauf von Frauen ein, die das kardiovaskuläre Risiko beeinflussen können und erläuterte, welche Herz-Kreislauf-Erkrankungen eher bei Männern und welche eher bei Frauen auftreten können. Abschließend betonte er, dass im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein standardisiertes Prozedere bei Frauen und Männern von zentraler Relevanz ist.
Im dritten Vortrag des Abends sprach Dr. med. Andreas Reather, Chefarzt der Klinik für Alterspsychiatrie und Psychotherapie, Klinikum Schloss Winnenden, zuerst über die Unterschiede von Frauen und Männern im Gehirn, die wiederum Auswirkungen auf die unterschiedliche Verarbeitung von Emotionen, Gefühlen und Stress haben. Auch gab er einen kurzen Einblick auf unterschiedliche Verhaltensweisen zwischen Frauen und Männern. So nannte er als Beispiel, dass Frauen ihre Gefühle eher nach außen tragen und 1,5- bis 2-mal häufiger von Depressionen betroffen sind. Männer hingegen machen ihre Gefühle eher mit sich selbst aus, was unter anderem das Risiko für Suizide vor allem im Alter von über 65 Jahren erhöhe. Dabei gibt es laut Dr. Raether in Bezug auf das interne Gefühlsleben keine großen geschlechterspezifischen Unterschiede.
Lotta Jahl, akademische Mitarbeiterin an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd in der Abteilung Soziologie, erläuterte in ihrem Vortrag anhand von Beispielen wie der Ernährung, der Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitsanageboten sowie dem Substanzkonsum, warum das Geschlecht in Bezug auf das Gesundheitsverhalten eine zentrale Rolle spielt. Dabei ging sie auf die männlichen und weiblichen Geschlechternormen ein, die für die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten zentral sind. Abschließend erläuterte Jahl, dass vor allem durch verhältnispräventive Maßnahmen in allen Lebensbereichen, wie geschlechtergerechte Angebote, Sensibilisierung oder familienfreundliche Arbeitszeiten, Gesundheit chancengleich ermöglicht werden kann.
Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion, bei der zahlreiche Fragen aus dem Publikum von den Referentinnen und Referenten beantwortet wurden.
Veröffentlichung: 15.10.2026

