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Aktuelles

Ostalbkreis beim BMC-Kongress in Berlin

09.02.2024
Der Kongress des Bundesverbands Managed Care (BMC), bei dem sich Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Versorgung und Politik über Innovationen im Gesundheitswesen austauschen, fand auch dieses Jahr an der Charité in Berlin statt. Mit Projekten aus dem Ostalbkreis wurde diesmal auch eine kommunale Perspektive aufgezeigt. In der Session "Gesundheitsregionen im Aufbruch" präsentierte Lena Kümmel das Vorgehen der dialogischen Bürgerbeteiligung im Klinikstrukturprozess der Kliniken Ostalb. Leonie Schönsee war mit einem Poster zum Gesundheitsnetz Schwäbischer Wald und dem Einsatz von Case Management und Community Health Nursing im ländlichen Raum vertreten. Nach zwei interessanten Kongresstagen konnten zahlreiche spannende Impulse zur Gestaltung der Gesundheitsversorgung der Zukunft wieder mit in den Ostalbkreis genommen werden.

Einen Bericht zum BMC-Kongress und ein Interview mit Lena Kümmel gibt es in der Folge "Gesundheitsregionen" des Podcasts "Gesundheit.Macht.Politik" (zum Podcast).
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Bundestagsabgeordnete im Gespräch mit der Ärzteschaft des Ostalbkreises

27.12.2023
Kurz vor Weihnachten fand im Aalener Landratsamt bereits zum zweiten Mal eine Austauschveranstaltung statt, zu der die Ärztinnen und Ärzte sowie die Bundestagsabgeordneten aus dem Ostalbkreis, wie auch Vertreter der Krankenkassen eingeladen waren. Etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten über Herausforderungen und Lösungsansätze für die ambulante ärztliche Versorgung.

Landrat Dr. Joachim Bläse begrüßte Ricarda Lang (Bündnis 90/Die Grünen), Leni Breymaier (SPD), Dr. Inge Gräßle (CDU), Winfried Mack (CDU), die Vorsitzenden der Kreisärzteschaften, Dr. Sebastian Hock und Dr. Bertold Schuler, sowie Hans-Joachim Seuferlein (AOK Ostwürttemberg) und Annabell Burdiak (Bündnis 52-Verbändekooperation). Nach einer kurzen inhaltlichen Einführung durch Leonie Schönsee vom Gesundheitsamt betonten Dr. Hock und Dr. Schuler in ihren Redebeiträgen die Relevanz einer hochwertigen ambulanten ärztlichen Versorgung, die aktuell durch schwierige Rahmenbedingungen bedroht ist. Sie machten deutlich, dass in Baden-Württemberg schon jetzt fast 1.000 Hausarztsitze unbesetzt sind und es in den kommenden Jahren, auch aufgrund des demografischen Wandels, zu weiteren Praxisschließungen kommen wird.

Ein thematischer Fokus wurde in der anschließenden Diskussion auf die langsam voranschreitende Digitalisierung des Gesundheitswesens gelegt. Vonseiten der Ärzteschaft wurde anschaulich geschildert, dass die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder des elektronischen Rezepts bislang keine Entlastung, sondern aufgrund von Softwareproblemen sogar zu einer Mehrbelastung in den Praxen geführt hat. Zwar waren sich die Anwesenden einig, dass die Digitalisierung einen großen Nutzen bringen kann, gefordert wurden aber dringende Nachbesserungen in der Umsetzung.

Durch eine immer größer werdende Anzahl an bürokratischen Vorgaben bleibe den Ärztinnen und Ärzten immer weniger Zeit für die Patientenversorgung. Beispielsweise müssen Patientendaten in einem aufwändigen Prozess in die elektronische Patientenakte eingespeist werden, die ab Januar 2025 für jeden Versicherten angelegt wird. Da die niedergelassenen Medizinerinnen und Mediziner aber weder IT-Spezialisten, noch Verwaltungsfachkräfte sind, wünschen sie sich für diese Themen mehr Unterstützung.

Diskutiert wurde außerdem die Frage, ob dem Ärztemangel vor allem in ländlicheren Regionen mit der Schaffung weiterer Medizinstudienplätze entgegengewirkt werden sollte. Sogar die Idee, eine neue medizinische Fakultät in der Region Nordwürttemberg aufzubauen, wurde in den Raum geworfen. Winfried Mack bestätigte, dass auf Landesebene eine Initiative zur Schaffung weiterer Studienplätze vorbereitet wird.

Für viel Aufruhr sorgte vor einigen Wochen das Urteil des Bundessozialgerichts zur Sozialversicherungspflicht der sogenannten Poolärzte im ärztlichen Notdienst. Infolgedessen wurden die Öffnungszeiten vieler Notfallpraxen in Baden-Württemberg reduziert - einige sogar ganz geschlossen. Einigkeit bestand unter den Anwesenden, dass von gesetzgeberischer Seite schnellstens eine Lösung gefunden werden sollte, damit Notdienste wieder unkompliziert an Poolärzte abgegeben werden können. Auch, weil manche Fachärztinnen und -ärzte, wie z. B. Radiologen, ärztliche Psychotherapeuten oder Augenärzte unter Umständen nicht die fachliche Kompetenz haben, um Dienste in einer Notfallpraxis zu übernehmen.

Die Abgeordneten bedankten sich abschließend für die wichtigen Impulse, die sie von der Ärzteschaft erhalten haben. Der Handlungsbedarf sei deutlich und werde ernst genommen. Dass sich die Kreisärzteschaften gemeinsam mit dem Ostalbkreis, neben ihrer wichtigen Tätigkeit in der Patientenversorgung, ehrenamtlich für die Sicherstellung in der Region engagieren, sei nicht selbstverständlich. Gelobt wurden etwa die Maßnahmen im Bereich der Nachwuchsgewinnung oder beim Einsatz neuer Gesundheitsberufe, wie Physician Assistants, Patientenlotsen und Gemeindeschwestern. Landrat Dr. Bläse kündigte an, die Austauschveranstaltung auch im kommenden Jahr zu wiederholen.
Gruppenbild Austausch mit Abgeordneten Bild 1 von 1

Austauschtreffen der Case Manager und Community Health Nurses in Baden-Württemberg

01.12.2023
Im Oktober fand das erste Austauschtreffen der in Baden-Württemberg in der Primärversorgung tätigen Case Manager und Community Health Nurses in Stuttgart statt. Insgesamt nahmen 24 Personen aus 9 verschiedenen Projekten teil, die von ihren Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag berichteten. Auch die Gemeindeschwester Anna Rehm und die Patientenlotsinnen Katharina Krätschmer und Sabrina Beißwenger vom Gesundheitsnetz Schwäbischer Wald waren vor Ort.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde gab Elisabeth Lippert vom Universitätsklinikum Tübingen bei ihrem Impulsvortrag einen spannenden Einblick in die Tätigkeit als Case Managerin. Anschließend wurden Themen für das World-Café ausgewählt. An vier verschiedenen Flipcharts wurde diskutiert, welches Aufgabenprofil Case Manager und Community Health Nurses haben, wie die Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten gestaltet werden kann, wie bei der Versorgung von psychisch Erkrankten vorgegangen werden sollte und was auf politischer Ebene getan werden muss, um die Berufsbilder in die Regelversorgung zu überführen.

Nach der Mittagspause wurden verschiedene Fallbeispiele aus den Projekten vorgestellt und gemeinsam besprochen, wie die Versorgung der meist multimorbiden Patientinnen und Patienten mit komplexen Versorgungsbedarfen am besten bewerkstelligt werden kann. Zum Abschluss des interessanten Austauschtreffens wurde einstimmig beschlossen, die Vernetzung auszubauen und weitere Treffen zu planen.

Dank gilt dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg, das viele der Projekte fördert und die Räumlichkeiten für das Treffen zur Verfügung gestellt hat.
Teilnehmer des Austauschtreffens Bild 1 von 1

SWR-Beitrag zur MEDWALD eG

06.11.2023
Der SWR berichtete am 31.11.2023 über die hausärztliche Genossenschaft im Schwäbischen Wald im Ostalbkreis. Die Vorstände Dr. Heiner Steinat und Bürgermeister Armin Kiemel sowie Leonie Schönsee vom Landratsamt erklären im Video, was es mit der Genossenschaft auf sich hat: Link zur ARD-Mediathek (ab Minute 3).
SWR-Beitrag MEDWALD eG Bild 1 von 1

1. Förderphase des Projekts "Primärversorgung im Ostalbkreis" erfolgreich beendet

06.10.2023
Die erste Förderphase des Projekts "Primärversorgung im Ostalbkreis" ist nun offiziell abgeschlossen. Im Rahmen des Projekts wurde das multiprofessionelle und sektorenübergreifende Gesundheitsnetz Schwäbischer Wald aufgebaut, um die Versorgung von chronisch kranken und multimorbiden Personen mit komplexen Versorgungsbedarfen zu verbessern. Im neu veröffentlichten Abschlussbericht sind die Ergebnisse des Projekts, das von der Hochschule Aalen wissenschaftlich begleitet wurde, beschrieben.
Abschlussbericht Primärversorgung im Ostalbkreis Bild 1 von 1

Patientenlotsinnen im Schwäbischen Wald im Einsatz

03.05.2023
Die neuen Patientenlotsinnen Sabrina Beißwenger und Katharina Krätschmer kümmern sich um die Gesundheitsversorgung von Patientinnen und Patienten im Schwäbischen Wald.

Im Rahmen eines Förderprojektes des Landes Baden-Württemberg sind seit einigen Wochen zwei Patientenlotsinnen in der Raumschaft Schwäbischer Wald im nordwestlichen Ostalbkreis im Einsatz. Gemeinsam mit den Mitgliedern des Gesundheitsnetzes Schwäbischer Wald verfolgen sie das Ziel, die Gesundheitsversorgung der dort lebenden Bürgerinnen und Bürger zu verbessern.

Die beiden examinierten Pflegefachkräfte Sabrina Beißwenger und Katharina Krätschmer leben selbst im Schwäbischen Wald und sind bei der hausärztlichen Genossenschaft MEDWALD eG angestellt. Sie möchten Patientinnen und Patienten helfen, indem sie deren Versorgungsprozess koordinieren. Sie übernehmen also organisatorische Aufgaben, wie z.B. die Vereinbarung von Arztterminen, das Ausfüllen von Formularen und Anträgen sowie die Organisation von Hilfsmitteln oder von Krankentransporten. Diese Tätigkeit wird „Case Management“ genannt und ist bislang noch keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Zuge des Förderprojekts sind diese Leistungen für Patientinnen und Patienten aber gänzlich kostenfrei.

Insbesondere Personen, die mehrere Krankheiten haben, nur wenig Unterstützung von Angehörigen erhalten und ggf. auch nicht mehr mobil sind, sollen von den Leistungen der Patientenlotsinnen profitieren. Sie werden etwa von Hausärzten, Pflegediensten oder dem Entlassmanagement der Kliniken an die Patientenlotsinnen überwiesen. Bei einem ersten Hausbesuch informieren sich die Lotsinnen dann über die Lebenssituation der Patientinnen und Patienten und erstellen einen Hilfeplan. Gemeinsam mit den zahlreichen Gesundheitsakteuren, die sich dem Gesundheitsnetz Schwäbischer Wald angeschlossen haben, wird dann eine ganzheitliche und qualitativ hochwertige Versorgung sichergestellt.

„Ich freue mich, dass ich mit dieser spannenden Tätigkeit Menschen helfen kann, die sich in unserem komplizierten Gesundheitssystem schwertun“, meint Katharina Krätschmer. Sabrina Beißwenger berichtet: „Uns wird von den Patientinnen und Patienten viel Dankbarkeit entgegengebracht. Ich hoffe, dass das Case Management bald in die Regelversorgung für gesetzlich Versicherte aufgenommen wird.“

Initiiert wurde das Projekt vom Landratsamt des Ostalbkreises in Zusammenarbeit mit den Kreisärzteschaften Aalen und Schwäbisch Gmünd und der MEDWALD eG. Die Pilotregion Schwäbischer Wald wurde aufgrund der dortigen hausärztlichen Unterversorgung ausgewählt.
Patientenlotsinnen Katharina Krätschmer und Sabrina Beißwenger Bild 1 von 1

Erstes MVZ der MEDWALD startet in Durlangen

18.04.2023
Dank der engen Zusammenarbeit zwischen dem Ostalbkreis, der MEDWALD eG, dem Projektpartner Diomedes GmbH und dem Praxisteam von Dr. Heiner Steinat konnte am 3. April das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Durlangen in Betrieb genommen werden. Die ehemalige Hausarztpraxis von Dr. Steinat geht als erstes hausärztliches MVZ unter der Trägerschaft der im letzten Jahr gegründeten MEDWALD eG an den Start.

Zwölf Gemeinden und acht Ärztinnen und Ärzte schlossen sich am 4. Mai 2022 zusammen und gründeten die Genossenschaft MEDWALD eG. Vertreten wird diese durch den Abtsgmünder Bürgermeister Armin Kiemel und den Durlanger Hausarzt Dr. Heiner Steinat. Das gemeinsame Ziel: Die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung im Schwäbischen Wald. Denn der von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg definierte hausärztliche Planungsbereich Schwäbischer Wald ist mit einem Versorgungsgrad von aktuell 49,2 Prozent der momentan am schlechtesten versorgte Bereich in Baden-Württemberg. Dies bedeutet, dass in der nordwestlichen Region des Ostalbkreises, in der etwa 35.000 Menschen leben, elf in Vollzeit tätige Hausärztinnen und -ärzte fehlen. Mit dem Start des ersten MVZ kommt die gemeinwohlorientierte Genossenschaft ihrem Ziel einen großen Schritt näher, die wohnortnahe hausärztliche Versorgung im Schwäbischen Wald zu verbessern. Nach monatelangen, intensiven Arbeiten im Hintergrund kann die MEDWALD mit der Eröffnung des MVZ endlich von der Planungs- in die Umsetzungsphase starten. Zuerst mussten hierzu die notariellen, genossenschaftlichen, kassenärztlichen und betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen werden.

„Bereits jetzt können wir aber einen ersten großen Erfolg für die MEDWALD verzeichnen“, so Genossenschaftsvorstand Armin Kiemel. „Zu den schon bekannten Ärzten Herr Dr. Steinat und Frau Dr. Pongratz wird ab 1. Juli Frau Dr. Klingele als Fachärztin für Allgemeinmedizin das Team des MVZ Durlangen verstärken. Dies ist ein sehr starkes Signal“. Dr. Stefanie Klingele war zuletzt in der Zentralen Notaufnahme am Ostalb-Klinikum in Aalen tätig.

Die MEDWALD eG ist mit ihrem MVZ Durlangen und 25 weiteren Einrichtungen aus dem Gesundheitsbereich Mitglied im Gesundheitsnetz Schwäbischer Wald. Gemeinsam will man durch eine engere Zusammenarbeit die wohnortnahe Gesundheitsversorgung stärken. Dieses Projekt wird vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg gefördert und unterstützt eine zukunftsgerichtete und innovative Gesundheitsversorgung im Schwäbischen Wald. Bei dem bereits Erreichten soll es jedoch nicht bleiben. Das Gesundheitsnetz Schwäbischer Wald hofft auf eine Anschlussförderung, um das Begonnene für die Bevölkerung noch weiter ausbauen zu können.
Team des MVZ Durlangen Bild 1 von 1

Hausärztliche Genossenschaft im Raum Ellwangen/Virngrund gegründet

13.01.2023
Auf Initiative des Landratsamts Ostalbkreis und der Ärzteschaft Aalen wurde die Genossenschaft VirnMed zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung im Raum Ellwangen/Virngrund gegründet. Im Ellwanger Palais Adelmann schlossen sich am 13. Januar 2023 zwölf Gemeinden und drei Ärztinnen und Ärzte zusammen.

Das gemeinsame Ziel: Die Verbesserung der hausärztlichen Versorgungssituation im Raum Ellwangen/Virngrund. Denn die dortige hausärztliche Versorgung steht mit Blick auf die aktuelle Versorgungssituation und die vorhandene Altersstruktur der Ärztinnen und Ärzte vor großen Herausforderungen. Vereinzelt konnten schon in der Vergangenheit freiwerdende Hausarztsitze aufgrund mangelnder Nachfolger nicht wiederbesetzt werden. Ebenso ist aktuell die Hälfte der niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte 60 Jahre und älter. Diese werden in den nächsten Jahren sukzessive ihre Praxistätigkeiten aufgeben und in den Ruhestand eintreten.

Die nachrückende Ärztegeneration ist jedoch immer weniger bereit, die Herausforderungen einer selbstständigen Tätigkeit auf sich zu nehmen und sich im ländlichen Bereich niederzulassen. Die beteiligten Gemeinden und Ärztinnen und Ärzte wollen deshalb gemeinsam mit der Gründung einer Genossenschaft eine Struktur schaffen, die es ermöglicht, Arztsitze zu übernehmen, in Form von Medizinischen Versorgungszentren oder Zweigpraxen weiterzuführen und Rahmenbedingungen (Anstellung, Teamarbeit, Teilzeit, Work-Life-Balance etc.) zu bieten, die die Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner ansprechen und interessieren. Das generelle Problem der fehlenden Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner kann dadurch sicherlich nicht gelöst werden. Jedoch soll die VirnMed Strukturen bieten, die es erleichtern, Medizinerinnen und Mediziner für den Ostalbkreis zu gewinnen, denn ein Ziel der genossenschaftlichen MVZs ist es, Ärztinnen und Ärzte von "bürokratischen" Aufgaben, soweit möglich zu entlasten und damit eine Konzentration auf die medizinische Tätigkeit zu ermöglichen.

Auch für ältere Ärztinnen und Ärzte, die bald in den Ruhestand gehen möchten, ist die Möglichkeit, ohne die Last der Verwaltungstätigkeiten in Teilzeit medizinisch tätig zu sein, sehr attraktiv. Zudem wird ihnen die Aufgabe abgenommen, eine Nachfolge für ihre Praxen zu suchen. Die Besonderheit der VirnMed ist außerdem, dass die Genossenschaft sowohl landkreisübergreifend als auch planungsbereichsübergreifend in zwei verschiedenen Planungsbereichen der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg gegründet wurde. Neben den zehn Ostalbkreis-Gemeinden der Region Ellwangen/Virngrund sind die Gemeinden Bühlerzell und Bühlertann aus dem benachbarten Kreis Schwäbisch Hall aufgrund der auch dort bereits fehlenden hausärztlichen Versorgung und der landkreisübergreifenden Patientenströme miteingebunden.

Landrat Dr. Joachim Bläse, der die Gründungsversammlung der Genossenschaft eröffnete, lobte das gemeinsame Engagement von Ärzteschaft und Kommunalpolitik: "Mit der Gründung der Genossenschaft im Raum Ellwangen/Virngrund wurde ein weiterer Schritt in Richtung der langfristigen Aufrechterhaltung und Sicherstellung einer flächendeckenden und wohnortnahen Gesundheitsversorgung im ländlichen und städtischen Raum im Ostalbkreis gegangen."

Neben dem Aufbau der Genossenschaft setzt der Landkreis in Zusammenarbeit mit den Ärzteschaften und den Kliniken Ostalb schon seit 2020 zahlreiche Maßnahmen zur Gewinnung von Ärztinnen und Ärzten für die hausärztliche Versorgung im Ostalbkreis um. Dazu zählen beispielsweise die Gründung des Weiterbildungsverbunds Allgemeinmedizin, das Aufsetzen eines Stipendienprogramms für Medizinstudierende und die Gründung einer hausärztlichen Genossenschaft im Schwäbischen Wald.
Gründungsversammlung VirnMed eG Bild 1 von 1

Austausch zur ambulanten ärztlichen Versorgung im Ostalbkreis

21.12.2022
Die Bundestagsabgeordneten aus dem Ostalbkreis diskutierten im Aalener Landratsamt gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Ärzteschaften, der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg und der Kommunen über Möglichkeiten zur Verbesserung der medizinischen Versorgung.

Landrat Dr. Joachim Bläse begrüßte die Bundestagsabgeordneten Ricarda Lang (Bündnis 90/Die Grünen), Leni Breymaier (SPD), Dr. Inge Gräßle (CDU) und Roderich Kiesewetter (CDU) sowie die Vertreter der verschiedenen Institutionen und Akteursgruppen zu einem Austausch zur Gesundheitsversorgung und erläuterte zu Beginn die Herausforderungen, vor denen das deutsche Gesundheitssystem vor allem im Bereich der hausärztlichen Versorgung steht. Dazu zählen unter anderem eine immer älter werdende Gesellschaft und der damit einhergehende steigende Bedarf an Gesundheitsleistungen. Zugleich sind bereits 40 Prozent der Hausärztinnen und -ärzte im Ostalbkreis über 60 Jahre alt und die Zahl der Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner, die die im ländlichen Raum vorherrschenden Einzelpraxen übernehmen möchten, ist eher gering.

Neben einem kurzen Statement der Bundestagsabgeordneten, der KVBW und der Bezirksärztekammer zum Thema Gesundheitsversorgung bundesweit, landesweit und im Ostalbkreis, konnten im Verlauf des Abends die Kommunen und Ärztinnen und Ärzte aus dem Ostalbkreis ihre Sorgen, Anregungen und Wünsche hervorbringen. Auch wurden einige Bitten an die Bundes- und Landespolitik sowie an die Vertreter der KVBW und der Bezirksärztekammer formuliert.

Dabei wurde vor allem deutlich, dass zur weiteren Aufrechterhaltung und zur Verbesserung der medizinischen Versorgung die Anzahl der Medizinstudienplätze erhöht und der Numerus clausus überdacht werden sollte - auch im Hinblick auf das vergleichsweise schwierige Abitur in Baden-Württemberg. Darüber, dass attraktivere Rahmenbedingungen für den ärztlichen Beruf geschaffen werden sollten, waren sich alle Anwesenden einig. Als eine Möglichkeit, um den Bedürfnissen der Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner nach Anstellung, Teilzeit und Teamarbeit gerecht zu werden, wurden Medizinische Versorgungszentren (MVZs) aber auch eine gute Kinderbetreuung für die immer weiblicher werdende Medizin gesehen.

Insbesondere wurden auch die ausufernde Bürokratie, die enorme Zeit in Anspruch nimmt und damit bei der Patientenversorgung fehlt, die veraltete Bedarfsplanung, mit der geregelt wird, in welchen Regionen sich Ärztinnen und Ärzte niederlassen dürfen, sowie Probleme bei der Einführung des elektronischen Rezepts oder der elektronischen Patientenakte angesprochen. Thematisiert wurden außerdem neue unterstützende Gesundheitsberufe, wie etwa Physician Assistants, die seit dem Wintersemester an der Hochschule Aalen ausgebildet werden und die zu einer Entlastung der Ärztinnen und Ärzte beitragen können. Um deren Einsatz auch im ambulanten Bereich zu ermöglichen, wurde die Aufnahme der Leistungen der neuen Gesundheitsberufe in die Regelversorgung gewünscht.

Insgesamt wurde von Seiten der Bundespolitik und den Vertretern der KVBW sowie der Bezirksärztekammer, dem Ostalbkreis, den Ärztinnen und Ärzten sowie den Kommunen ein großer Dank und Anerkennung für das außergewöhnliche Engagement zur Sicherstellung auf Aufrechterhaltung der Versorgung vor Ort und für ihren Einsatz für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger entgegengebracht. Da von allen Seiten der Wunsch nach mehr Dialog und Zusammenarbeit geäußert und sich darauf verständigt wurde, gemeinsam die Versorgungsprobleme im ländlichen Raum anzugehen, soll der Austausch in dieser Runde wiederholt werden.
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